POETISCHE LANDSCHAFT
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STIFTER DER POETISCHEN LANDSCHAFT SIND

Amanda Aizpuriete
Gennadij Ajgi
Yves Bonnefoy
Inger Christensen
Michael Donhauser
Katarina Frostenson
Michael Hamburger
Thomas Kling
Friederike Mayröcker
Cees Nooteboom
Yoko Tawada
Peter Waterhouse
Andrea Zanzotto

 

AMANDA AIZPURIETE

Amanda Aizpuriete, geboren 1956 in Jurmala bei Riga, Philologie- und Philosophiestudium in Riga und Moskau, lebt in Jurmala. Übersetzungen und Nachdichtungen aus dem Russischen, Deutschen, Englischen, Litauischen und Ukrainischen. Aus dem Russischen übertrug sie zum Beispiel Lyrik von Ossip Mandelstam und Anna Achmatowa, aus dem Deutschen Rilke, Kafka, Trakl und Ingeborg Bachmann. Vier Gedichtbände liegen auf lettisch von ihr vor: Die Mutter kommt in den Garten (1980), Dünenstraße (1986), Der nächste Autobus (1990) und Der letzte Sommer (1995). Auf deutsch: Die Untiefen des Verrats. Gedichte (1993), Laß mir das Meer. Liebesgedichte (1996). «In ihren Gedichten spüren wir eine Synthese aus ‹Aufständischem›, aus Besessenheit und Freiheitssinn, aber auch tragischem Lebensgefühl. Diese Gedichte, nie sehr lang, gewöhnlich ohne Titel, in ihrem melodischen Aufbau einander sehr ähnlich, gleichen lyrischen Tagebuchblättern. In ihnen spricht, und das ist von größter Seltenheit, eine unverstellte, ganz ursprüngliche lyrische Stimme, wie wir sie - in anderen Tonlagen und Zeiten - nur bei Emily Dickinson, Else Lasker-Schüler oder der von ihr sehr verehrten Marina Zwetajewa vernehmen können.» (Atlas der neuen Poesie)

 

GENNADIJ AJGI

Gennadij Ajgi, 1934 in einem Dorf an der Wolga geboren, lebt seit 1953 in Moskau und schreibt auf Anraten Boris Pasternaks in russischer Sprache. Über seine Mutter, die einem schamanischen Geschlecht entstammt, blieb Ajgi der kulturellen Eigenart der Tschuwaschen eng verbunden. Ajgi schreibt eine verhaltene, sinnhafte und stille Poesie, mit der er seine Leser in ein kleines Land mit Hügeln, Wäldern, Flüssen und Feldern führt. Das Wort gewinnt in seiner Dichtung eine neue Beziehung zum ‹Kosmos-im Haus› und ‹Leben-als-Brüderlichkeit, zu dem, was damals Wahrheit hieß›. Ajgis Gedichte liegen in zehn Sprachen vor, in der Übersetzung von Felix Ph. Ingold sind in Deutsch erschienen: Veronikas Heft (1986), Aus Feldern Russlands (1991), Widmungsrosen (1991), Und: Für Malewitsch (1992), Gruß aus dem Gesang (1992), Im Garten Schnee (1993), Die letzte Fahrt (1993), Mit Gesang: Zur Vollendung. Ausgewählte Werke I (1995), der : dort. (mit Abb. von Günther Uecker, 1995), Letzter Abgrund (CD, 1997), Reiner als Sinn (mit Originallithographien von Günther Uecker, 1997), Wind vorm Fenster (1998), Blätter in den Wind. Ausgewählte Werke II (1998). Ajgi erhielt den Preis der Académie Française (1972), den Petrarca-Preis (1993) und den N. C. Kaser-Lyrikpreis (1996). Gennadij Ajgi, gefragt nach seiner Definition von Poesie, antwortete: «Es ist dies die einzige Lebenssphäre, wo ich frei bin.» Es geht ihm nicht um seine Ansichten und Anschauung, vielmehr soll der Prozeß des Lebens ‹gegeben, nicht jedoch festgehalten und dargestellt werden›. «Ich bin nicht im Gespräch mit meinem Objekt, ich rufe es mir in Erinnerung, ich will mit ihm zu einem Abschluß kommen. Zumeist handelt es sich dabei um Orte (Orte im Wald, Feld-Orte, ja sogar Menschen als Orte, um den Ort, der ich selber bin). Ich beschränke mich ganz bewußt darauf, über die Wechselbeziehung zwischen dem schöpferischen Subjekt und seinem Objekt Aussagen zu machen. Es ist wohl so, daß das Objekt als punktuelle Kraft auf die kreative Psyche einwirkt. Die zwischen dieser und jener entstehende Spannung wird zu einer Art Kraftfeld, wo der schöpferische Akt stattfindet, wo die Wörter gesucht werden, welche das Kraftfeld in eine sprachliche Realität umsetzen wollen» (aus einem Gespräch mit Zbigniew Podgórzec, 1987)

 

YVES BONNEFOY

Yves Bonnefoy, 1923 geboren in Tours, studierte in Tours, Poitiers und Paris Mathematik und Philosophie. 1944 schloß er sich der Gruppe der Surrealisten an, die er jedoch schon 1947 wieder verließ. Bonnefoy ist einer der bedeutendsten Dichter Frankreichs, für sein Werk hat er unter anderem den Prix Montaigne und den Bennett-Award erhalten. Seit 1981 ist er Professor am Collège de France. Neben Gedichten und Prosa sind von Bonnefoy zahlreiche Essays zur Dichtung und zur Kunst sowie Übersetzungen erschienen. Buchveröffentlichungen auf deutsch: Arthur Rimbaud (1962), Im Trug der Schwelle (1984), Berichte im Traum (1990), Giacometti (1992), Was noch im Dunkel blieb / Beginn und Ende des Schnees. Gedichte französisch und deutsch (1994), Das Unwahrscheinliche oder die Kunst (1994), Wandernde Wege (1997), Die rote Wolke. Essays zur Poetik (1998). Grundlegend für die Poetik Yves Bonnefoys ist die Überzeugung, ‹daß die Poesie eine Erfahrung dessen ist, was die Wörter überschreitet: (...) die flüchtige Wahrnehmung, dann die Erinnerung, jenes Zustandes der Ungeschiedenheit, der Einheit, der das, was ist, in seinem An-sich, kennzeichnet, das, was sich den Benennungen, Bestimmungen und Beschreibungen der Sprache entzieht. Diese Einheit verdient, von uns wahrgenommen, im Geiste festgehalten zu werden, weil in ihr der Teil nicht minder das Ganze, das Einzelbewußtsein von diesem nicht mehr unterschieden ist (...). Und darum schreiben wir Gedichte. Durch sie versuchen wir, in unserem freilich von Sprache durchformten Bewußtsein jene Augenblicke festzuhalten, die uns den Einblick eröffneten, dem jede Sprache sich verweigert.›

 

INGER CHRISTENSEN

Inger Christensen, 1935 in Vejle (Jütland) geboren, lebt seit 1962 in Kopenhagen. Seit 1962 veröffentlicht sie Lyrik, Erzählungen und Romane, Stücke, Hörspiele und Essays. Buchveröffentlichungen auf deutsch: Alphabet (1988), Das gemalte Zimmer: Eine Erzählung aus Mantua (1989), Brief im April (1990), Gedicht vom Tod (1991), Azorno (1972 / 1992), Teil des Labyrinths (1993), Das Schmetterlingstal. Ein Requiem (1995), Ein chemisches Gedicht zu Ehren der Erde (1997). Auszeichnungen (Auswahl): Mitglied der Dänischen Akademie (seit 1978), Nordischer Schriftstellerpreis der Schwedischen Akademie, Österreichischer Staatspreis für europäische Literatur (1994), Grand Prix des Biennales Internationales de Poésie (1995), Preis für Europäische Poesie der Stadt Münster (1995), Horst-Bienek-Preis (1998). «Der paradiesische Raum. In Inger Christensen wird eine Stimme laut, die, wie schon lange nicht mehr gehört, zu sprechen beginnt. Sagen wir, sie spricht ziellos. Sie spricht wie außerhalb der Entwicklung der festen Zeit. Sie lebt in etwas um eine Spur anderem als der Zeit. Sie spricht und lebt in etwas Rundem, Mittelpunktuellem und in einem Frieden. Sie spricht, daß / damit nicht Fortschritt komme, sondern Vereinigungen; die Wörter berühren einander, die Dinge berühren einander. Sprache ist ein Berühren von Lauten und gleicht darin der Welt, die aus zusammenhaltender Berührung geschaffen ist oder aus Vertrauen. Sie fabuliert, das heißt, erfindet, ermöglicht, erträumt; sie stellt nicht fest, sondern unterstützt die Schöpfung, sie erfrischt, sie hilft der Welt in ihrem Dasein.» (Peter Waterhouse) «Worum ich kreise, sind Zusammenhänge und Unterschiede zwischen allen Geschöpfen auf der Erde. Unser Können, unsere Entfaltung und unser Verständnis als ein gemeinsames Projekt. Steine und Insekten, Regenwälder, Menschen und Wolkenbildungen als eine gesammelte Notwendigkeit.» (Inger Christensen)

 

MICHAEL DONHAUSER

Michael Donhauser, 1956 geboren in Vaduz, Fürstentum Liechtenstein, studierte Germanistik und Romanistik und lebt seit 1976 als Schriftsteller und Übersetzer in Wien und Paris. 1990 erhielt er den manuskripte-Preis, 1995 den Christine-Lavant-Lyrikpreis. Buchveröffentlichungen: Der Holunder. Prosagedichte (1986), Edgar. Erzählung (1987), Die Wörtlichkeit der Quitte. Prosagedichte (1990), Dich noch und. Liebes- und Lobgedichte (1991), Von den Dingen. Prosagedichte (1993), Das neue Leben. 78 Dreizeiler (1994), Livia oder Die Reise. Roman (1996), Die vier Hüpfer der Elster (gemeinsam mit Peter Waterhouse u. a., 1998). ‹Von den Dingen› handeln Michael Donhausers Gedichte, vom Erzählen der Dinge. Die Vielfalt des sinnlich Wahrgenommenen, also alles das, was in einem Augenblick zugleich gesehen, gehört, geschmeckt, gerochen, getastet wird, bringt Donhauser in ein sprachliches Nebeneinander. Im Akt des Benennens gibt er der Vielheit des in einem Augenblick Gedachten, Erinnerten, Geträumten, Erahnten einen sprachlichen Ausdruck. Es ist dies ein Entzerren der Wahrnehmung, in dem Zeit, Dauer frei wird, Fernes in die Nähe rückt. ‹Ein Gedicht ist eine Sprache aus Echos und Findlingen und Blicken zu Boden und auf in die Weite.› (Michael Donhauser)

 

KATARINA FROSTENSON

Katarina Frostenson, 1953 in Stockholm geboren, wo sie Literaturwissenschaften, Theater sowie Film studierte und heute lebt. Sie begann als Lyrikerin und schrieb Gedichte auch zu Photographien und bildender Kunst. In den letzten Jahren widmete sie sich zunehmend dem Drama. Ihre jüngsten Arbeiten sind ein Opernlibretto und ein Theaterstück. Sie hat in Schweden bisher fünfzehn Bände mit Gedichten, Dramen und lyrischer Prosa veröffentlicht. Einige ihrer Theaterstücke wurden am Stockholmer Kgl. Dramaten aufgeführt. 1992 wurde sie in die Schwedische Akademie gewählt, als fünfte Frau und zweitjüngstes Mitglied in deren bisheriger Geschichte. 1994 erhielt sie den angesehenen Bellman-Preis, im darauffolgenden Jahr war ihre Gedichtsammlung Tankarna einer der beiden Vorschläge ihres Landes für den Literaturpreis des Nordischen Rates. Buchpublikationen unter anderem: I det gula (1985), Samtalet (1987), Moira (1988), Stränderna (1989), Överblivet (1989), 4 Monodramer (1990), Ioner (1991), Berättelser från dem (1992), Tankarna (1994), Jan Håfström (1994). Auf deutsch: Moira (zusammen mit Hakan Rehnberg, 1991), Gedichte. Akzente 6 / 1994, Gedichte. Akzente 5 / 1995, Die Stimme. Schreibheft 47 / 1996, Die Gedanken (1998). Die Landschaften, die Katarina Frostenson oft schildert, Stadt- oder Naturlandschaften, tragen noch Spuren eines stattgefundenen Dramas. Es mag eine Talmulde sein, ein Gewässer, eine Waldlichtung: Hier ist etwas geschehen, die Natur selbst war Zeuge, und die Landschaft bewahrt die Erinnerung an das Ereignis wie einen Abdruck. Der Ort vibriert gleichsam von Erinnerung. Es entsteht ein Kraftfeld, in dem sich scheinbar vertraute Begriffe, Bezüge und Sehweisen mit Spannung aufladen und umgepolt werden, so daß sich ihr Innerstes nach außen kehrt. (Verena Reichel)

 

MICHAEL HAMBURGER

Der 1924 geborene, in Suffolk lebende Kritiker, Schriftsteller und Übersetzer Michael Hamburger verkörpert bereits ein Stück europäischer Zeitgeschichte: Als Sohn jüdischer Eltern flüchtet er in den dreißiger Jahren mit der Familie aus Berlin nach England. Dort wird er zu einem Kritiker jeglicher Totalitarismen; sein dichterisches Werk schöpft aus den Vorbildern der besten deutschen Literaturtradition, deren herausragender und mit den bedeutendsten Preisen bedachter Übersetzer er wird: Hölderlin, Goethe, Rilke und die Modernen seiner Generation. Auszeichnungen u. a.: Goethe-Medaille der Stadt Frankfurt, Hölderlin-Preis der Stadt Tübingen, Petrarca-Preis, Österreichischer Staatspreis für literarisches Übersetzen. Buchveröffentlichungen in deutscher Sprache (Auswahl): Vernunft und Rebellion. Aufsätze (1969), Heimgekommen. Gedichte (1984), Verlorener Einsatz. Erinnerungen (1987), The Glade and other Poems (1988). Im Folio Verlag: Die Erde in ihrem langen langsamen Traum (1994), Wahrheit und Poesie. Spannungen in der modernen Lyrik von Baudelaire bis zur Gegenwart (1995), Traumgedichte (1996) und Baumgedichte (1997), Todesgedichte (1998). «Zu meinen Baumgedichten, welche zum Teil tatsächlich die Eigenheit, die quidditas, einer besonderen Baumart erkunden wollen - mit einer gewissen Ironie, die sich daraus ergibt, daß jede Wiedergabe eines Naturphänomens menschlich, mehr oder minder anthropomorphisch bleibt -, muß ich aber vermerken, daß sie aus der Beschäftigung mit ebendiesen Bäumen entstanden sind. In den letzten sechzehn Jahren, wie auch schon früher, habe ich mindestens hundert Bäume angepflanzt oder aus Samen gezogen, deren Wachsen überwacht und auch das Absterben oder die gewaltsame Entwurzelung von älteren Bäumen bewältigen und daraus Brennholz gewinnen müssen (...) Um eine Naturidylle geht es in den Baumgedichten nicht. Schon syntaktisch und in der Wortwahl sind sie knorrige Gebilde. Insofern sie mimetisch sind, ergibt sich die Mimese nicht nur aus dem Sehen, sondern auch aus den übrigen Sinnen.» (Michael Hamburger, Vom Sinn des Sehens, Schwalenberg)

 

THOMAS KLING

Thomas Kling, 1957 geboren, lebt in Köln und auf der Raketenstation Hombroich. Für seinen Gedichtband ‹morsch› erhielt er 1997 den Peter-Huchel-Preis. Mit dem Else-Lasker-Schüler-Preis wurde Thomas Kling 1994 ausgezeichnet. Er schreibt Gedichte und Essays. Buchveröffentlichungen: amptate (1983), erprobung herzstärkender mittel (1986), brennstabm (1991), nacht.sicht.gerät (1993), morsch (1996). Itinerar (1997). Herausgabe des Akzente-Heftes 5 / 96. Thomas Kling / Catull, Das Haar der Berenike. Bildfolge Ute Langanky (1997). Zusammen mit Ute Langanky: wände machn (Aquarelle, 1994), Wolkenstein (Linoldrucke, 1997), gelände (Photographien, 1997). Thomas Kling ist im gesprochenen Wort zu Hause, als ‹polylingualer› Dichter benutzt er den Reichtum unserer Sprachspeicher: ‹Die Sprache meinen und von ihr gemeint werden.› Seine Gedichte sind Sprachforschungsprojekte, sie entdecken das Wesentliche von Geschichte, Kultur und Landschaft in einer radikalen Weise: er verformt und staucht Wörter, deckt auf und entblößt ein gedankenloses Umgehen mit der Sprache. Thomas Kling betreibt Quellenkunde, Spracharchäologie, um neue Verbindungen herzustellen; indem er ein Sprach-, Wort-, Sinn- und Beziehungsgeflecht aufbaut, schafft er Raum für Assoziationen, Anspielungen, Zitate und Hintersinnigkeiten. In seinen Gedichten formt er mit Sprache und Laut die gesehene, durchwanderte Landschaft. Sprache ist ein Gebirge, Sprache ist ein Bach ( sie gibt einen Namen.

 

FRIEDERIKE MAYRÖCKER

Friederike Mayröcker, 1924 in Wien geboren, wo sie auch lebt, gehört zu den großen innovativen Schriftstellerinnen dieses Jahrhunderts. Sie schuf in der deutschsprachigen Literatur ein einzigartiges Werk mit nunmehr 77 Titeln, das viele jüngere Künstler inspiriert hat. Sie ist ihren Weg als Weg der Poesie gegangen, unbeirrbar, bestimmt von den Ereignissen ihrer Sprachwelt, in der das Experimentelle von Anfang überwunden war. Ihre Texte, in denen sich zunehmend Lyrik und Prosa verschränken, sind ein erinnerndes Abtasten der Welt, die sie mit ihrer fast ungestümen Wahrnehmungskraft in viele Dimensionen befreit: «Eine künstliche Welt schaffen, immer neue Modelle, Mikrogebilde, und dazwischen immer wieder der Griff in die Weite, wie ein Regenbogen von einer Unbegrenztheit zur andern» (F. M.). Mit Verschränkungs- und Andeutungskunst, in Wiederholung und Dialog, über die unendlichen Möglichkeiten der freien Assoziation arbeitet sie sich durch die noch unerschlossenen Schichten der Sprache. Für ihre Gedichte, Prosa, Romane, Hörspiele, Bühnentexte, Kinderbücher, Fernsehfilme, ihre poetischen Arbeiten zu und über bildende Künstler hat sie viele Auszeichnungen erhalten, so zusammen mit Ernst Jandl den Hörspielpreis der Kriegsblinden (1968), Großer Österreichischer Staatspreis (1982), Friedrich-Hölderlin-Preis (1993), Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1996), Else-Lasker-Schüler-Preis (1996) Meersburger Droste-Preis (1997). Ihre Buchveröffentlichungen der letzten Jahre sind: LECTION (1994), den Fliegenschrank aufgebrochen (1994), magische Blätter IV (1995), Kabinett Notizen, nach James Joyce (1995), Notizen auf einem Kamel (1996), das zu Sehende, das zu Hörende (1997), Brütt oder Die seufzenden Gärten (1998), Benachbarte Metalle (1998).

 

CEES NOOTEBOOM

Cees Nooteboom, geboren 1933 in Den Haag, lebt in Amsterdam. Schriftsteller und Essayist. Buchveröffentlichungen in deutscher Übersetzung unter anderem: Rituale (1985), In den niederländischen Bergen (1987), Ein Lied von Schein und Sein (1989), Mokusei! Eine Liebesgeschichte (1990), Berliner Notizen (1991), Die folgende Geschichte (1991), Das Gesicht des Auges (1991), Der Umweg nach Santiago (1992), Gedichte (1992), Der Buddha hinter dem Bretterzaun (1993), Selbstbildnis eines Anderen (1993 mit Bildern von Max Neumann), Das Paradies ist nebenan, Wie wird man Europäer (1993), Im Frühling der Tau. Östliche Reisen (1995), Der Ritter ist gestorben (1996), Rückkehr nach Berlin (1998). «Cees Nooteboom gehört zu den wenigen modernen niederländischen Schriftstellern, deren Werk auch außerhalb des eigenen Sprachgebietes Beachtung gefunden hat. Das dürfte sowohl mit der kosmopolitischen Einstellung dieses unruhigen, sich ständig auf Reisen befindlichen Mannes zusammenhängen als auch mit der hohen Qualität seines Werkes, das außer Reiseprosa - einer Gattung, die er um ganz neue Möglichkeiten bereichert hat - eine Reihe Novellen und Romane umfaßt, deren Platz im Kanon der modernen niederländischen Literatur als gesichert gelten darf. Seine Lyrik, in ihrer einsamen Rigorosität, ist von bewundernswerter Konsequenz. Das bezeugen allein schon die Titel der späteren Bände, welche die Kälte dieser Gedichte, ihre dunkle Verschlossenheit und versteinerte Härte, aber auch ihren extrem empfindlichen Kern zum Ausdruck bringen. Sie wollen den Zerfall aufhalten, dem Zerfließen Widerstand entgegensetzen, die Zeit einfrieren. Jedes Gedicht, unterkühlt und ‹geschlossen wie ein Stein›, ist wie eine Konstruktion, die sich der Erosion durch den Fluß der Zeit in den Weg stellt.» (Ard Posthuma)

 

YOKO TAWADA

Yoko Tawada, 1960 in Tokyo geboren, lebt in Hamburg. Sie schreibt auf deutsch und japanisch Lyrik, Prosa und Essays. Erschienen sind bisher: nur da wo du bist da ist nichts. Gedichte und Prosa, japanisch und deutsch (1987), Das Bad, ein kurzer Roman (1989), Wo Europa anfängt. Erzählungen und Gedichte (1991), Das Fremde aus der Dose. Essays (1992), Ein Gast (1993), Die Kranichmaske, die bei Nacht strahlt (1993), Tintenfisch auf Reisen (1994), Talisman (1996), Orpheus und Izanagi. Hörspiele und Stücke (1998), Tübinger Poetik Vorlesungen (1998). Literaturpreise: Förderpreis für Literatur der Stadt Hamburg (1990) Gunzo-Shinjin-Bungaku-Sho (für die japanische Originalfassung der Erzählung Fersenlos) (1993), Akutagawa-Sho (für die japanische Originalfassung von Hundebräutigam) (1993), Lessing-Förderpreis der Stadt Hamburg (1994), Chamisso-Preis (1996). «So wie sich Apparate in Geister, Körper in Buchstaben verwandeln, so verwandeln sich bei ihr auch Dinge in Lebewesen. . . Jede Benennung stellt in ihren Texten den Akt einer Schöpfung dar. Insofern ist die Literatur Yoko Tawadas poiesis im ersten Sinne dieses Wortes.» (Sigrid Weigel)

 

PETER WATERHOUSE

Peter Waterhouse, 1956 in Berlin geboren, lebt als freier Schriftsteller in Wien. Er schreibt Lyrik, Prosa, Essays und Theaterstücke. Übersetzungen und Nachdichtungen aus dem Englischen und Italienischen unter anderem von Michael Hamburger, Gerald Manley Hopkins, Biagio Marin, Andrea Zanzotto. Veröffentlichungen (Auswahl): MENZ (1984), Passim 1986, Sprache Tod Nacht Außen. Gedicht.Roman (1989), Verloren ohne Rettung (1993), Blumen (1993), Von herbstlicher Stille umgeben wird ein Stück gespielt (1994), Gedichte und Teillösungen (1995), E 71 Mitschrift aus Bihac und Krajina (1996), Die Geheimnislosigkeit. Ein Spazier- und Lesebuch (1996), Im Genesis-Gelände (1998), Lobreden auf den poetischen Satz (1998). Auszeichnungen unter anderem: Nicolas-Born-Preis 1990, Europäischer Lyrikpreis der Stadt Münster 1993, Österreichischer Förderpreis Literatur 1996, Heimito-von Doderer-Literaturpreis 1997. Für Peter Waterhouse ist Schreiben ein Erinnerungs- und Wahrnehmungsversuch. Ihn interessieren die Orte der Verletzlichkeit, des Unscheinbaren, der Gleichzeitigkeit und Beiläufigkeit, in denen scheinbare Gegensätze zusammenfinden. Seine Texte «bilden Sehweisen ab, zu denen es Zugänge gibt: in der Kindheit, im Traum, in anderen Kulturen, in der Poesie» (Sibylle Cramer). «Über der Landschaft schwebte, leer, die zu dichtende Landschaft, sie war nicht die bessere, aber die notwendig aus der anderen zu entwickelnde, als Beweis, daß es die andere gab, als Beweis, daß sie lebendig war, als Beweis, daß sie an die vollkommene Oberfläche geholt werden konnte, als Bewegung gegen die Tiefe, als Mittag der Landschaft, als Darstellung der Wunde. Das auf die Landschaft Gedichtete mußte die Leere darstellen können, denn das Leere war, worauf alles zulief, der intensivste Ort, von der wahnsinnig gewordenen Kultur vergessen.» (Peter Waterhouse)

 

ANDREA ZANZOTTO

Andrea Zanzotto, 1921 geboren in Pieve di Soligo (Provinz Treviso); Aufenthalte in Frankreich und der Schweiz; nach der Rückkehr arbeitet er in seiner Heimatstadt als Lehrer, unterhält gleichzeitig aber enge Kontakte zu den kulturellen Kreisen in Venedig, Mailand und Rom. Später hat er bis auf wenige Reisen seine Heimatregion kaum verlassen. Er hat diesen ‹hypersedimentierten Boden› immer wieder durchwandert oder mit dem Fahrrad durchquert. Das Lokale, der Dialekt des Veneto inspirieren seine Dichtung, die gleichzeitig höchst gelehrt wie kompliziert ist und, wie Montale sagte, ‹den wahren Kopfsprung in jenen Vor-Ausdrucksbereich wagt, der dem artikulierten Wort vorausgeht›. Andrea Zanzotto vollbringt auf der Ebene der lautlichen Affinitäten eine Gedankenmusik, die Luigo Nono zu dem Urteil hinriß: «Es ist mir die wichtigste italienische Lyrik seit Ungaretti und Montale». Seit 1951 sind von ihm 11 Gedichtbände und ein Prosawerk erschienen, außerdem zahlreiche literaturkritische Beiträge. Übersetzungen ins Englische, Französische. Auf deutsch: Lichtbrechung. Ausgewählte Gedichte italienisch / deutsch (1987), Lorna, Kleinod der Hügel - Lorna, gemma delle colline (1990). Literaturpreise: Premio Viareggio (1979), Premio Librex-Montale (1983), Premio Feltrinelli der Accademia dei Lincei (1987), Preis der Stadt Münster für Europäische Poesie (1993)

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